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Auf dem Land kennt man sich. Aber kennt man auch dein Unternehmen?

6. Sept.
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Warum gute regionale Unternehmen heute mehr brauchen als Mundpropaganda und trotzdem keine riesige Reichweite.



„Hier kennt mich doch jeder.“

Diesen Satz hört man auf dem Land wahrscheinlich häufiger als in Hamburg, Berlin oder Köln.


Und vielleicht hat das früher sogar funktioniert. Man wusste, wo der gute Schlachter sitzt, welcher Handwerker zuverlässig ist und in welchem Laden es besondere Sachen gibt. Empfehlungen liefen über Familie, Nachbarn oder Freunde.


Nur funktioniert unser Alltag heute anders. Menschen ziehen weg, andere kommen dazu, Innenstädte verändern sich und bevor wir uns ins Auto setzen, schauen wir meistens erst einmal aufs Handy.


Ein guter Laden reicht deshalb nicht mehr.

Die Leute müssen wissen, dass es ihn gibt.


Bekannt sein ist nicht dasselbe wie sichtbar sein


Gerade bei kleinen regionalen Unternehmen sehe ich oft dasselbe: gutes Produkt, sympathische Inhaber, vielleicht sogar ein richtig schöner Laden aber online ist davon kaum etwas zu erkennen.


Man entdeckt das Unternehmen zufällig, weil jemand davon erzählt oder weil man irgendwann daran vorbeifährt.

Kann funktionieren aber auf Zufall kann man so schlecht hoffen.

Und auch „Hier kennt mich doch jeder“ stimmt meistens nur bedingt. Vielleicht kennt man den Namen. Aber weiß man auch, was es dort gibt, in welcher Preisregion man sich bewegt und warum sich der Weg lohnt?

Genau das ist der Unterschied zwischen Bekanntheit und Positionierung.


Der Wettbewerb sitzt inzwischen auch auf dem Sofa


Der regionale Einzelhandel konkurriert längst nicht mehr nur mit dem Laden nebenan.

Er konkurriert mit dem Handy.

Ich kann abends im Bett liegen, Angebote vergleichen, Bewertungen lesen und drei Minuten später bestellen. Wenn ich stattdessen zu einem Geschäft fahren soll, brauche ich einen Grund und möglichst wenig Hürden.

Gerade deshalb finde ich einen Online-Shop für regionale Unternehmen oft spannender, als viele denken. Der muss gar nicht bedeuten, dass plötzlich Pakete durch ganz Deutschland verschickt werden.

Er kann einfach das digitale Schaufenster sein.


Was gibt es? Was kostet es? Ist es verfügbar? Kann ich vorbestellen, reservieren oder später abholen?

Das ist für den Kunden bequem und kann gleichzeitig die eigenen Abläufe deutlich vereinfachen.


Ich brauche nicht möglichst viel Reichweite


20.000 Follower sehen natürlich besser aus als 500.

Nur bringen mir 20.000 Menschen aus ganz Deutschland wenig, wenn mein Geschäft davon lebt, dass jemand tatsächlich zu mir kommt.

Für einen regionalen Betrieb können 500 passende Menschen im richtigen Radius wesentlich wertvoller sein.


Es hängt also nicht davon ab, wie viele Menschen sehen mich sondern davon, wie viele davon tatsächlich Kunden werden.


Gerade Social Media kann regional deshalb gut funktionieren, weil Sichtbarkeit und Mundpropaganda dort ziemlich nah zusammenliegen. Jemand kennt den Laden schon, eine Bekannte hat dort gekauft, jemand teilt ein Produkt in seiner Story und plötzlich ist das Unternehmen nicht mehr irgendein unbekannter Anbieter, sondern etwas, das über das eigene Umfeld schon ein Stück Vertrauen mitbringt.


Im Grunde ist das die moderne Version des Gesprächs am Gartenzaun


Nur darf dieses Vertrauen danach nicht wieder verloren gehen. Wenn jemand über eine Empfehlung auf mich aufmerksam wird, anschließend auf Instagram schaut, meine Website öffnet und später vielleicht sogar in den Laden kommt, sollte sich das immer noch nach demselben Unternehmen anfühlen.


Genau da wird für mich das Gesamtbild wichtig.


Die Website kann noch so hochwertig aussehen, wenn Instagram lieblos wirkt oder im Laden anschließend Chaos herrscht, entsteht ein Bruch. Genauso passt es nicht, wenn das Produkt hochwertig und entsprechend teuer ist, die Verpackung aber beliebig wirkt oder auf der Website besonderer Service versprochen wird, während Anfragen tagelang unbeantwortet bleiben.


Kunden analysieren solche Dinge wahrscheinlich nicht bewusst. Aber sie merken ziemlich schnell, wenn etwas nicht zusammenpasst.

Und genau deshalb entsteht eine Marke nicht dadurch, einmal zehn schöne Bilder produzieren zu lassen. Sie entsteht darüber, wie sich ein Unternehmen an all diesen Kontaktpunkten anfühlt.

Website, Social Media, Laden, Produkt, Preis, Verpackung, Kommunikation und Service müssen nicht überall gleich aussehen, aber sie sollten dieselbe Geschichte erzählen.


Das bedeutet übrigens auch nicht, dass ein kleines Unternehmen dafür eine riesige Website oder jeden Tag neuen Content braucht. Im Gegenteil. Ich würde lieber wenige Dinge vernünftig machen als überall halb präsent sein.


Eine Website muss für mich erstmal ziemlich einfache Fragen beantworten:

Was machst du? Ist das etwas für mich? Wo finde ich dich? Was kostet es ungefähr? Und wie kann ich kaufen, bestellen oder buchen?


Wenn ich das innerhalb weniger Minuten verstehe, ist schon viel gewonnen.

Genauso bei Social Media. Ich brauche nicht zwingend fünf Posts die Woche, wenn keiner davon irgendeine Funktion hat. Viel wichtiger finde ich, dass ein potenzieller Kunde beim Durchscrollen relativ schnell versteht, was das Unternehmen anbietet, wie es arbeitet und warum er dort kaufen sollte.


Und genau deshalb würde ich Google, Website und Social Media auch nicht getrennt voneinander betrachten. Menschen bewegen sich sowieso ständig zwischen diesen Kanälen. Sie sehen vielleicht zuerst einen Beitrag auf Instagram, googeln danach den Namen, lesen Bewertungen und schauen dann auf die Website.


Ob sie dabei genau in der Reihenfolge vorgehen, kann mir eigentlich egal sein.

Wichtig ist nur, dass sie überall dasselbe Unternehmen wiedererkennen.

Bewertungen spielen dabei gerade regional eine ziemlich große Rolle.

Wenn mir jemand sagt: „Da war ich schon, die sind richtig gut“, startet dieses Unternehmen sofort mit einem Vertrauensvorsprung. Gute Google-Bewertungen funktionieren ähnlich, nur eben öffentlich sichtbar und auch für Menschen, die niemanden persönlich kennen, der dort schon gekauft hat.

Das ersetzt keine persönliche Empfehlung, aber es reduziert Unsicherheit. Und genau das ist bei vielen Kaufentscheidungen wichtig.


Was ich deshalb schwierig finde, ist der Satz:

„Ich habe keine Zeit für Marketing.“

Ich verstehe ihn vollkommen. Kleine Unternehmer sollen ihr eigentliches Handwerk beherrschen und nebenbei Buchhaltung, Bürokratie, Einkauf, Personal, Website, Social Media und gefühlt noch zwanzig andere Dinge erledigen.


Aber genau deshalb braucht es keinen noch volleren Kalender, sondern einen roten Faden.


Wer sind meine Kunden? Was möchte ich ihnen verkaufen? Warum sollten sie zu mir kommen? Wo suchen sie nach solchen Angeboten? Welche Kanäle brauche ich wirklich? Und was kann ich mir genauso gut sparen?


Wenn das einmal klar ist, wird Marketing auch deutlich weniger zu dieser Daueraufgabe, bei der man ständig das Gefühl hat, noch irgendetwas posten oder ausprobieren zu müssen.


Und vielleicht ist genau das heute wichtiger als früher, weil sich auch die Art verändert hat, wie regionale Unternehmen überhaupt bekannt werden.


Früher hat es auf dem Land vielleicht tatsächlich eher gereicht, gut zu sein und darauf zu vertrauen, dass es sich herumspricht. Der Schnack am Gartenzaun, der Stammtisch, der Verein, die Familie, vieles lief über persönliche Begegnungen und feste Strukturen.


Diese Wege gibt es heute noch, aber eben längst nicht mehr in derselben Selbstverständlichkeit.

Menschen ziehen häufiger um, arbeiten woanders, kaufen online, verbringen weniger Zeit in festen lokalen Kreisen und begegnen sich schlicht seltener zufällig.

Dadurch entsteht auch Mundpropaganda nicht mehr automatisch.


Genau deshalb muss ein gutes regionales Unternehmen heute sichtbarer machen, was früher vielleicht über Jahre nebenbei weitergetragen wurde.


Auf dem Land kennt man sich vielleicht immer noch eher als in der Großstadt.

Aber man trifft sich weniger am Gartenzaun. Und wer nicht mehr automatisch im Gespräch ist, muss dafür sorgen, dass er trotzdem gefunden, verstanden und weiterempfohlen wird.




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