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Warum du niemals sagen solltest: „Ach, darum kümmert sich mein Steuerberater.“

26. Aug.
3 Min. Lesezeit

Ein Steuerberater kann dich unterstützen. Die Verantwortung für dein Unternehmen kann er dir nicht abnehmen.


Heute habe ich diesen Satz mal wieder gehört.

„Ach, darum kümmert sich mein Steuerberater.“

Und ganz ehrlich? Das ist einer dieser Sätze, bei denen ich innerlich jedes Mal zusammenzucke.

Nicht, weil ich etwas gegen Steuerberater habe. Im Gegenteil. Ein guter Steuerberater ist für mich Gold wert.


Aber dieser Satz verrät etwas, das weit über Steuern hinausgeht.


Er zeigt eine Haltung.


Ich komme ursprünglich aus dem Steuerrecht. Während meines Studiums war das Nachschlagewerk „Wichtige Steuergesetze“ aus dem NWB Verlag mein ständiger Begleiter.

Wenn ich die damalige Ausgabe mit der heutigen vergleiche, wird eines sofort deutlich: Das Steuerrecht ist in den vergangenen Jahren enorm komplex geworden.

Und genau deshalb kann heute auch nicht mehr jeder Steuerberater alles können.

Immer mehr Kanzleien spezialisieren sich auf Branchen oder Fachgebiete als logische Entwicklung.

Umso wichtiger ist es, den richtigen Steuerberater auszuwählen.

Aber genau an dieser Stelle beginnt die Verantwortung des Unternehmers.


Denn eines vergessen viele:


Du kannst Aufgaben delegieren.

Du kannst Verantwortung nicht delegieren.


Dem Finanzamt ist es völlig egal, ob dein Steuerberater eine Frist versäumt hat, eine Erklärung nicht abgegeben wurde oder Unterlagen liegen geblieben sind.

Der Ansprechpartner bist immer du.

Natürlich kann ein Steuerberater unter bestimmten Voraussetzungen seinem Mandanten gegenüber haften. Aber das ist eine zivilrechtliche Frage zwischen euch beiden. Das Finanzamt wartet in dieser Zeit nicht auf ein Gerichtsurteil. Steuerbescheide, Fristen und Zahlungsaufforderungen laufen trotzdem weiter.

Genau deshalb halte ich den Satz „Darum kümmert sich mein Steuerberater“ für gefährlich.

Nicht, weil Steuerberater schlechte Arbeit machen.

Sondern weil viele Unternehmer glauben, sie müssten ihr eigenes Unternehmen nicht mehr verstehen.

Dabei erwartet niemand, dass du Finanzbuchhalter wirst.

Du musst keine Buchungssätze auswendig kennen.

Du musst keine Bilanz aufstellen können.

Du musst nicht wissen, wie ein T-Konto funktioniert.

Aber du solltest verstehen, warum Gewinn nicht gleich Kontostand ist.


Warum Liquidität etwas anderes ist als Gewinn.

Warum eine Investition nicht automatisch sofort deine Steuerlast senkt.

Warum Rücklagen notwendig sind.

Warum Steuerzahlungen planbar sind und nicht plötzlich vom Himmel fallen.


Und du solltest in der Lage sein, eine betriebswirtschaftliche Auswertung zumindest grob zu lesen.

Nicht, um deinen Steuerberater zu kontrollieren.

Sondern um dein Unternehmen führen zu können.

Ich erlebe immer wieder Unternehmer, die sich erst dann mit ihren Zahlen beschäftigen, wenn Post vom Finanzamt kommt.


Dann wird aus einem Brief plötzlich ein Problem.


Dabei hat sich das Problem oft Monate vorher angekündigt.

Man hat nur nie hingeschaut.

Vielleicht, weil Zahlen keinen Spaß machen.

Vielleicht, weil man sich unsicher fühlt.

Vielleicht auch, weil man sich eingeredet hat, dass sich jemand anderes schon darum kümmern wird.

Wenn du sie nicht verstehst, triffst du Entscheidungen im Blindflug.


Für mich macht übrigens genau das einen guten Steuerberater aus:

Nicht jemand, der einfach nur Buchhaltung erledigt und den Jahresabschluss erstellt.

Sondern jemand, der sagt:

“Achtung, hier ändert sich das Gesetz.” "Für dein Unternehmen könnte eine andere Rechtsform sinnvoll werden.” “Diese Investition solltest du vielleicht noch in diesem Jahr tätigen.”

Ein guter Steuerberater arbeitet nicht nur Vergangenes auf.

Er denkt mit.

Und trotzdem bleibt die Verantwortung bei dir.

Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis überhaupt.

Denn dieser Artikel handelt eigentlich gar nicht von Steuerberatern.


Er handelt von Unternehmertum.


Immer dann, wenn Unternehmer aufhören zu verstehen, was in ihrem eigenen Unternehmen passiert, geben sie Stück für Stück die Kontrolle ab.

Deshalb: Beschäftige dich mit deinen Zahlen. Nicht bis ins letzte Detail.

Aber so weit, dass du verstehst, wie dein Unternehmen funktioniert.

Denn Unternehmer zu sein bedeutet nicht, alles selbst zu machen.

Es bedeutet, jederzeit zu verstehen, was im eigenen Unternehmen passiert. Auch dann, wenn andere die operative Arbeit übernehmen.



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